Interview

Auf den Spuren von Burle Marx

City Nord – der Solitäre im Grünen

Wie begegnet die Architektur von Ipanema den großen Unternehmenszentralen der Nachbarschaft?

Unser Entwurf folgt dem städtebaulichen Grundgedanken der City Nord – der Solitäre im Grünen – und entwickelt diesen vor dem Hintergrund der veränderten Anforderungen weiter. Angeregt haben uns dabei die Arbeiten von Roberto Burle Marx, einem brasilianischen Landschaftsarchitekten und Maler, auf den wir stießen, als wir uns mit Projekten und Konzepten der Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts beschäftigt haben. Inspiriert von den geschwungenen Linien und Flächen seiner Arbeiten, wie sie unter anderen in den Mosaiken der Strandpromenaden und in Gartenanlagen Rios zu sehen sind, haben wir eine Struktur abgeleitet, die sich mäandernd über das Grundstück zieht, nach außen als eine Figur wahrnehmbar ist und gleichzeitig im Inneren ein Spiel aus zonierten Höfen entwickelt.

 

Die geschwungene Grundform des Ensembles schafft in Kombination mit den Durchwegungen und Binnenräumen vielfältige Verknüpfungen im städtebaulichen Kontext. Durch unterschiedlich hohe Gebäude entwickelt das Ensemble eine als „Welle“ ablesbare Begrenzung, die eine erlebbare Weite, Ausblicke und optimale Belichtung für die Nutzer und Bewohner schafft. Die Positionierung des Bürogebäudes an der Ecke Überseering / Sydneystraße stellt gleichzeitig einen überzeugenden Übergang zu den angrenzenden Bürogebäuden her.

Was sind aus Ihrer Sicht die Besonderheiten Ihres Entwurfs?

Der Entwurf schafft Emotionen. Schaut man auf den Lageplan oder das Modell, werden Gefühle geweckt, die positiv sind. Die weiche, mäandernde Form ermöglicht vielfältige Eindrücke. Es gibt keine klaren Blockkanten, die abweisend wahrgenommen werden könnten. Jeder neue Standort verspricht einen anderen, veränderten Blick auf das Projekt. Neben der Großform spielt der Entwurf aber auch mit Kleinteiligkeit. So sind alle Wohnungen um den großen Binnenraum angeordnet, der sich durch die wellenförmige Grundstruktur der Gebäude in drei überschaubare Höfe gliedert. Und letztlich spielt der Freiraum eine große Rolle. Der „grüne“ Leitgedanke ist in dem neuen Ensemble stets erlebbar. Bereits im Wettbewerbsverfahren haben wir den Bepflanzungsspezialisten Mark Krieger mit an Bord geholt, da neben den geschwungenen Linien vor allem den Pflanzen eine wichtige Rolle im Freiraumkonzept zukommt. Mark Krieger hat das als „Spiel mit den Pflanzen“ bezeichnet und eine Zonierung entwickelt, die durch unterschiedliche Bepflanzung den Flächen einen fast tropischen Ausdruck verleihen soll. Das Freiraumkonzept setzt sich bis auf das Dach als „Urban Gardening“ fort, es verbindet die Menschen miteinander und leistet damit einen wichtigen sozial-integrativen Beitrag für das Projekt.

Frank Birwe

ist Mitinhaber des Hamburger Architekturbüros kbnk Architekten GmbH, www.kbnk.de.